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Interview mit Herrmann Kana: Entwicklungspolitisches Engagement Eine Masterarbeit in Boboyo
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Herrmann Kana ist Ingenieur für angewandte Biotechnologie. Er absolvierte sein Studium  an der RWTH Aachen. Für seine Masterarbeit reiste er vom 10. März bis 14. April 2016 nach Boboyo, um eine Machbarkeitsstudie zum Einsatz dezentraler alternativen Energien in Kamerun durchzuführen. Konkret konnte er eine Biogasanlage für die Vorschule Boboyo in der Region Extreme-Norden von Kamerun planen und implementieren.  Seine persönlichen Erlebnissen hat er für ident.africa, dem VKII e.V. sowie dessen Förderer in einem Interview wiedergegeben.
 
Wer ist Hermann Kana?

Ich komme aus Kamerun und bin 29 Jahre alt. Vor etwa 7 Jahren kam ich nach Deutschland um angewandte Biotechnologie zu studieren. Nach meinem Bachelor an der Universität Bielefeld konnte ich erfolgreich meinen Master an der RWTH Aachen abschließen. Heute bin ich als Ingenieur in der Qualitätssicherung bei West Pharmaceuticals Services Deutschland tätig.

Den ganzen April 2016 waren Sie in Boboyo, in der Region Extrem-Norden von Kamerun. Erzählen Sie uns doch:  Was war der Grund Ihrer Reise dorthin?

Ich war in Boboyo um eine Biogasanlage für die dortige neu gebaute Vorschule zu planen und in Betrieb zu nehmen. Als Bioingenieur und zugleich Mitglied vom „Verein Kamerunischer Ingenieure und Informatiker“ – VKII e. V., hatte ich vor Ort unter anderen die Aufgabe, eine Machbarkeitsstudie für den Einsatz von Biogastechnologie in Kamerun durchzuführen.

Wie sind Sie in Boboyo aufgenommen worden?

Einen besseren Empfang hätte ich mir nicht vorstellen können. Nach einer reibungslosen, dafür aber sehr langen Reise erreichte ich erstmal die Großstadt Maroua. Vor Ort wurde ich vom Projektkoordinator, Herrn Dr. Roland Ziebe empfangen. Nach einigen Tagen in denen ich mich ausruhen konnte, traf ich mich mit dem technischen Team. Wir fuhren anschließend gemeinsam nach Boboyo. Das Team war sehr freundlich, sehr motiviert, sehr fleißig und vor allem technisch sehr erfahren.

In Boboyo waren Sie sehr aktiv als Ingenieur. Was war Ihre Aufgabe und was haben Sie dort erreicht?

Als Bioingenieur interessiert mich an erster Stelle natürlich das Verstehen der grundlegenden Bioprozesse zur Biogasentstehung und – gewinnung. Mein Ziel war es zunächst, die Anlage zur Biogasgewinnung so effektiv und so einfach wie möglich zu gestalten. Hierfür konnten verschiedene Parameter herangezogen und optimiert werden, die unmittelbar zu einer besseren Produktivität der aufgestellten Gärungsanlage führen würden. Später sollte meine Aufgabe zum Ziel haben, das erhaltene Biogas in elektrischen Strom umzuwandeln. Leider konnte ich diese letzte Aufgabe nicht mehr zu Ende führen, da mein Aufenthalt in der Region zu Ende ging. Auch mein mangelndes Wissen im Bereich Elektrotechnik hat die Situation nicht begünstigt.

Sie sind Student der angewandten Biotechnologie an der RWTH Aachen gewesen. Wie wichtig ist es für Sie Ihr Erlerntes in die Praxis umzusetzen?

Als überzeugter panafrikanischer Akademiker bin ich der festen Überzeugung, dass Afrika nur durch einen konstanten und effektiven Wissenstransfer, sowohl technisch wie wissenschaftlich als auch wirtschaftlich erfolgreich weiterentwickelt werden kann. Vor diesem Hintergrund geht es mir nicht erster Linie darum erfolgreich in Deutschland zu studieren, sondern mein erworbenes Wissen in meiner Heimat durch verschiedene Fachprojekte zu konkretisieren. Ich bin mir sicher, dass ich so meinen Beitrag zur Entwicklung Kameruns leisten kann.

Biogas als saubere Alternative Energie zur Strom- oder Feuerproduktion: wie schätzen Sie den Bedarf ein? Hat diese Form von Energie für Kamerun eine Zukunft?

Absolut ! Biogas ist die einzige 100% saubere, erneuerbare und CO2-neutrale Energiequelle auf der Erde. Auch in Kamerun ist der Rohstoff hierfür erschwinglich, und nachhaltig verfügbar. Das Potenzial ist also enorm. Somit hat die Biogas-Technologie alle Chancen, sich zukünftig als exzellente alternative Energiequelle im Land durchzusetzen. Gerade im Norden Kameruns, wo das Klima eines der trockensten Afrikas ist, könnte der Einsatz von Biogas-Technologie zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage enorm beitragen. Für die Familien wäre dies ein Segen. Sie könnten auf teuren Strom und Brennholz verzichten und dadurch ihre Lebensgrundlagen deutlich verbessern.

Sie engagieren sich ehrenamtlich beim VKII e.V., dem Verein Kamerunischer Ingenieure und Informatiker. Erzählen Sie uns etwas über VKII e.V.

Der VKII e. V. wurde 2000 in Frankfurt a. Main gegründet und zählt heute mehr als 500 aktive Mitglieder aus allen Fachrichtungen. Der Verein erstreckt sich über weite Teile Deutschlands, so dass junge Kameruner sich immer mehr vernetzen können, die die gleiche wissenschaftliche Leidenschaft fürs Heimatland miteinander teilen. Als regionaler Vertreter für das Bundesland NRW stehen unter meiner Verantwortung mehr als 150 hochmotivierte studentische und berufstätige Kameruner, die immer wieder ihr ehrenamtliches Engagement für Kamerun in unterschiedlichen Weisen unter Beweis stellen. Dank der Unterstützung vieler Sponsoren und der Kooperation mit dynamischen Partnervereinen wie gerade ident.africa e. V. konnte der VKII e. V. in den letzten Jahren viele innovative Projekte in Kamerun durchführen.

Wie lange sind Sie dabei und welche Aufgaben haben sie im Verein?

Seit 2012 engagiere ich mich aktiv beim VKII e. V.. Am Anfang und als einfaches Mitglied hatte ich keine besondere Verantwortung. Zwei Jahre später übernahm ich eine der Führungspositionen als Vertreter des Vereins für das Bundesland NRW. Diese Tätigkeit übe ich aktuell mit großer Begeisterung aus. Zu meinen Aufgaben zählen beispielsweise die Organisation und die Durchführung von verschiedenen Fachseminaren und Workshops, die Suche nach neuen potentiellen Sponsoren und Partnervereinen. Hinzu kommen die Identifikation und die Durchführung von konkreten Entwicklungsprojekten in Kamerun, die Gewinnung neuer Mitglieder sowie die Verfassung regelmäßiger Vereinsberichte, die dann an den Vorstand des Vereins nach Frankfurt gesendet werden.

Wenn Sie Studierenden aus Kamerun, die in deutschen Hochschulen studieren einen Rat geben würden, was würden Sie ihnen für ihre Zukunft empfehlen?

Da empfehle ich immer nur Eines: Vernetzung und entwicklungspolitisches Engagement sowohl während des Studiums als auch nach dem Studium; denn nur durch eine optimale Vernetzung können Afrikaner in der Lage sein, sich optimal gegenseitig mit ihren verschiedensten Fachwissen zu unterstützen, um eine langfristige Entwicklung des Kontinents aufzubauen und abzusichern.

Welche sind langfristig ihre Pläne? Werden Sie nach dem Studium nach Kamerun zurückkehren und dem Land Ihr gewonnenes Wissen weitergeben?

Selbstverständlich! Allerdings Theorie ohne ausreichende Praxis nützt leider nichts. Daher habe ich meinen beruflichen Werdegang so geplant, dass ich zuerst ein paar Jahre genügend berufliche Erfahrungen in Deutschland sammeln kann. Ich möchte mich gerne selbständig in meiner Heimat Kamerun machen. Ich bin der Meinung, dass ich nur so mein gewonnenes Wissen möglichst effektiv einsetzen werde.

Eine letzte Frage noch! VKII e.V. und ident.africa e.V. haben Sie bei diesem Projekt unterstützt und kooperieren jetzt für Wissenstransfer mit dem Einsatz von Studenten der Diaspora. Was ist Ihrer Meinung nach das Spannende an dieser Zusammenarbeit?

In Deutschland existieren so viele kamerunische Vereine, die aber nicht genug oder gar nicht miteinander kooperieren bzw. zusammenarbeiten. Das ist sehr schade! Daher habe ich mich seit knapp zwei Jahren damit auseinandergesetzt eines der neuen Hauptbeschlüsse von VKII e.V. umzusetzen und zwar, die wichtigsten kamerunischen Vereine in NRW zusammenzubringen. Im Rahmen des Biogas-Projektes in Boboyo konnte mir dies zum ersten Mal gelingen! Das Spannende für mich persönlich war es zu erleben, wie zwei von Kamerunern geführten Vereinen in enger Zusammenarbeit ein entwicklungspolitisches Projekt in Kamerun zu Ende realisieren konnten und dies mit begeisterndem Erfolg. Ich hoffe sehr, dass viele derartige Initiativen in näheren Zukunft folgen werden.

Wir, das Team von ident.africa e.V., danken Herrmann Kana für seinen Einsatz in Kamerun. Herrmann hat auch seine persönlichen Erlebnisse in einem Bericht zusammengefasst.
 
 
 
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